Arbeitsbelastung zu hoch? Wie Führungskräfte sich und ihr Team entlasten

Arbeitsbelastung wächst mit jeder Stufe der Führungsverantwortung. Was Belastbarkeit ausmacht, wie Sie sie aufbauen und wie inspirierende Führung Ihr Team in Phasen hoher Last trägt.
Cristian Hofmann, Executive Coach in Zürich und Schaffhausen. Titelbild zum Beitrag «Arbeitsbelastung zu hoch? Wie Führungskräfte sich und ihr Team entlasten»

Eine hohe Arbeitsbelastung bewältigen Führungskräfte dann gut, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Eigene Belastbarkeit und eine Führung, die dem Team Klarheit und Freiraum gibt. Mit der Verantwortung steigen Erwartungen und Druck, und auf beides lässt sich reagieren.

Arbeitsbelastung ist die Summe der Anforderungen, die Ihre Aufgaben an Sie stellen: Menge, Komplexität, Zeitdruck und Verantwortung. Belastbarkeit ist die Fähigkeit, diese Anforderungen zu bewältigen, Druck zu verarbeiten, einen Ausgleich zu finden und die eigenen Grenzen zu kennen. Eine entscheidende Rolle spielt, ob Ihre Grundbedürfnisse erfüllt sind.

Belastbarkeit hängt eng mit dem Umgang mit Stress zusammen. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Last, die mit der Führungsrolle wächst.

Warum die Arbeitsbelastung mit der Führungsverantwortung wächst

Je grösser die Führungsverantwortung, desto grösser die Erwartungen. Mit der Zeit übernehmen Sie mehr Aufgaben, Ihr Arbeitsspektrum weitet sich aus, und es kommen komplexere, aufwendigere Themen dazu.

Typisch ist die Zeit nach einer Beförderung. Die alten Aufgaben bleiben teilweise hängen, die neuen kommen dazu, und niemand streicht etwas von der Liste.

Belastend wird meist die Summe, die nie kleiner wird, weil Abgeben schwerer fällt als Annehmen.

Der Soziologe Robert Karasek hat 1979 im Anforderungs-Kontroll-Modell beschrieben, wann Arbeit zur Belastung wird: Wenn hohe Anforderungen auf geringen Handlungsspielraum treffen. Johnson und Hall ergänzten das Modell 1988 um soziale Unterstützung, die solche Belastung abmildern kann.

Für Führungskräfte heisst das: Der eigene Spielraum und der Ihres Teams sind Stellschrauben, an denen Sie selbst drehen können.

Wie Sie Ihre Belastbarkeit bei hoher Arbeitsbelastung aufbauen

Jeder kann lernen, besser mit Druck und Niederlagen umzugehen. Die Persönlichkeit bleibt dabei dieselbe, das Repertoire wird grösser.

Durchhaltevermögen. Fehlt es an Belastbarkeit, geben viele auf, bevor sie ihr Bestes gegeben haben. Wer lernt, sich durchzubeissen, weitet seine Belastungsgrenzen aus und kämpft engagierter für seine Ziele.

Selbstvertrauen. Ohne Belastbarkeit kommt man schneller an den Punkt, an dem man sich sagt: «Das schaffe ich eh nicht.» Jede Niederlage bestätigt dann die eigene Selbsteinschätzung. Mit wachsendem Selbstvertrauen gehen Sie spürbar besser mit Druck um.

Mentale Stärke. Innere Ruhe und Vertrauen in die eigenen Stärken zeigen sich im Umgang mit Rückschlägen. Wer mental gefestigt ist, richtet den Fokus auf das, was er selbst beeinflussen kann. Jede Herausforderung bringt Sie ans Ziel oder lehrt Sie etwas für die Zukunft.

Gelassenheit. Geringe Belastbarkeit kommt oft aus der Angst vor Fehlern und Niederlagen. Schon der Gedanke an die Konsequenzen setzt die Angst auf den Regiestuhl. Nehmen Sie die Dinge, wie sie kommen, und vermeiden Sie zusätzlichen Druck, den niemand verlangt hat. Mehr dazu unter Fehlertoleranz: Wie Führungskräfte die Angst vor Niederlagen senken.

Arbeitsbelastung im Team: Inspirierende Führung als Prävention

Ihre eigene Belastbarkeit hilft wenig, wenn das Team unter der Last einknickt. Schaffen Sie Klarheit über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und damit über die Sicherheit der Arbeitsplätze. Regeln Sie Arbeitszeiten flexibel, sodass Pausen und Ruhezeiten verlässlich sind.

Autonomie. Geben Sie Eigenverantwortung auf der Basis klarer und realistischer Ziele. So lernen Mitarbeitende, ihre Arbeit selbst zu organisieren.

Zusammenarbeit. Schaffen Sie eine angstfreie Atmosphäre, in der Fehler korrigiert werden, ohne Sanktion. In einer vertrauensvollen Umgebung arbeiten Menschen effizienter.

Anerkennung. Eine Kultur von Respekt und Wertschätzung gibt Mitarbeitenden Selbstvertrauen und Motivation.

Orientierung. Eine klare Vision und nachvollziehbare Entscheidungen geben Halt. So entsteht eine positive Hochleistungskultur, die auch bei hoher Arbeitsbelastung Spitzenleistung möglich macht.

Was ich aus 20 Jahren Coaching-Praxis dazu sage

Führungskräfte mit zu hoher Arbeitsbelastung fragen mich meist nach Zeitmanagement. Ergiebiger ist die Frage nach dem Handlungsspielraum: Was entscheiden Sie selbst, und was könnte Ihr Team entscheiden? Ein erster Schritt: Listen Sie Ihre wiederkehrenden Entscheidungen der letzten vier Wochen auf und markieren Sie jene, die jemand im Team ebenso gut treffen könnte.

Meine Position: Hohe Arbeitsbelastung trägt ein Team dann, wenn es seine Ziele kennt und Freiraum hat. Wer Verantwortung abgibt, gewinnt Kapazität und meist auch Loyalität.

Kernaussage von Cristian Hofmann, Executive Coach, aus dem Beitrag «Arbeitsbelastung zu hoch? Wie Führungskräfte sich und ihr Team entlasten»: «Hohe Arbeitsbelastung trägt ein Team dann, wenn es seine Ziele kennt und Freiraum hat.»

Durchbeissen hat allerdings Grenzen. Wer Erschöpfung als Charakterprüfung versteht, verwechselt Belastbarkeit mit Selbstausbeutung. Sinkt die Last über Monate nicht, gehört die Struktur auf den Prüfstand, manchmal auch die eigene Rolle.

Häufige Fragen zur Arbeitsbelastung

Was tun, wenn die Arbeitsbelastung zu hoch ist?

Trennen Sie zuerst, was Sie selbst beeinflussen können, etwa Prioritäten und Delegation. Danach sprechen Sie offen an, was strukturell nicht passt. Beides zusammen entlastet dauerhafter als jede Einzelmassnahme.

Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsbelastung und Belastbarkeit?

Arbeitsbelastung beschreibt die Anforderungen, die auf Sie einwirken. Belastbarkeit ist Ihre Fähigkeit, diese Anforderungen zu bewältigen und sich davon zu erholen. Die erste lässt sich organisatorisch senken, die zweite lässt sich trainieren.

Wie entlaste ich als Führungskraft mein Team?

Mit klaren, realistischen Zielen und Freiraum für Eigenverantwortung. Verlässliche Pausen und Transparenz über die Lage des Unternehmens nehmen Unsicherheit aus dem System.

Kann man Belastbarkeit lernen?

Ja. Durchhaltevermögen und Gelassenheit wachsen mit Erfahrungen, die Sie bewusst auswerten. Ein Coach hilft, die eigenen Muster unter Druck zu erkennen.

Weiterführend auf hofmann.coach: Stressmanagement im Team: Wie Sie an der Belastungsgrenze führen · 11 entscheidende Tipps für Workaholics · Empowering Leadership: Was es bedeutet und wie man es umsetzt

Hinweis: Dieser Beitrag fasst zwei Beiträge vom 16.07.2019 und 07.10.2019 zusammen und wurde im Oktober 2026 überarbeitet und erweitert.

Über den Autor

Cristian Hofmann ist Executive Coach in Zürich und Schaffhausen (MAS Coaching & Supervision BSO, Forbes-Autor). Er hat in über 20 Jahren mehr als 1'500 Führungskräfte begleitet: CEOs, Geschäftsleitungen und Leadership-Teams in der Schweiz, mit messbar vereinbarten Zielen und auf Wunsch Pay-for-Results. Mehr über Cristian Hofmann.

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