Sichtbarkeit als Führungskraft entsteht, wenn Ihr Umfeld Ihre Ergebnisse mit Ihrer Person verbindet. Dafür brauchen Sie zwei Dinge: Eine tragfähige Beziehung zu Ihren Mitarbeitenden und eine klare Positionierung, wofür Sie in der Organisation stehen. Selbstvermarktung allein trägt dabei kaum.
Es gibt Führungskräfte, die einfach Erfolg haben. Einfach? Von aussen sieht es so aus, wenn die Beziehung zwischen Chef und Team stimmt. Den Aufwand dahinter bemerkt kaum jemand, und Erfolg kommt selten von allein.
Den Kern habe ich schon 2018 in der emotionalen Intelligenz gesehen, und daran hat sich nichts geändert. Der Psychologe Daniel Goleman hat den Begriff 1995 mit seinem Buch «Emotional Intelligence» bekannt gemacht. In seinem Artikel «What Makes a Leader?» in der Harvard Business Review von 1998 beschreibt er fünf Komponenten, darunter Selbstwahrnehmung und Empathie. Die übrigen drei sind Selbstregulierung, Motivation und soziale Kompetenz.
Für Ihre Sichtbarkeit heisst das: Mitarbeitende, die sich verstanden fühlen, tragen Ihre Ergebnisse weiter. In anderen Bereichen spricht sich herum, wie bei Ihnen gearbeitet wird und was dabei herauskommt.
Diese Art von Sichtbarkeit als Führungskraft lässt sich kaum inszenieren, weil sie aus vielen kleinen Begegnungen entsteht, die Ihr Team als fair und respektvoll erlebt.
Führungserfolg hängt stark von Persönlichkeitseigenschaften ab. Lernbereitschaft und Neugier gehören dazu, ebenso Offenheit für Neues, Kritikfähigkeit und Resilienz. Klassische Merkmale wie Intelligenz, Entschlossenheit, Charisma und Integrität kommen hinzu. Wie sich diese Eigenschaften im Alltag zeigen, können Sie gezielt entwickeln.
Ich sehe in Mandaten oft eine bestimmte Mischung bei Führungskräften, deren Erfolg im ganzen Unternehmen wahrgenommen wird: Selbstvertrauen mit Bescheidenheit. Diese Führungskräfte treffen klare Entscheidungen und hören trotzdem zu, wenn jemand widerspricht.
Ein zweites Merkmal betrifft das Team. Zufriedene Mitarbeitende zeigen eine hohe intrinsische Motivation, identifizieren sich mit Aufgabe und Betrieb und liefern gute Arbeit. Erfolgreiche Führung hält dabei ein Gleichgewicht zwischen dem Nutzen für Mitarbeitende, Kunden und Unternehmen und bindet vor allem jene Talente, die sich selbst motivieren können.
Der St. Galler Managementlehrer Fredmund Malik beschreibt in seinem Buch «Führen Leisten Leben» sechs Grundsätze wirksamer Führung. Die Grundsätze gelten ihm als Fundament professionellen Managements und prägen die Kultur eines Unternehmens.
Resultatorientierung macht Erfolg messbar. Der Beitrag zum Ganzen macht ihn für andere Bereiche relevant. Konzentration auf Weniges sorgt dafür, dass Ihre Ergebnisse nicht im Rauschen untergehen.
Stärken nutzen heisst bei Malik auch, Schwächen bewusst in Kauf zu nehmen. Vertrauen ist für ihn der Grundsatz, auf den es in letzter Konsequenz ankommt. Positives, konstruktives Denken hilft, Chancen zu sehen, und schützt davor, sich von spontanen Stimmungen lenken zu lassen.
Diese Grundsätze wirken im Zusammenspiel. Resultate ohne Vertrauen machen Sie ebenfalls sichtbar, allerdings als jemand, mit dem man ungern arbeitet.
Um Ihren Erfolg sichtbar zu machen, brauchen Sie eine zielscharfe Positionierung. Formulieren Sie in zwei Sätzen, wofür Sie in der Organisation stehen und was Sie von Ihrem Bereich erwarten. Beide Sätze sollten so konkret sein, dass ein neues Teammitglied sie nach einer Woche wiedergeben kann.
Rolle und Status gestalten Sie über wiederkehrende Auftritte. Achten Sie darauf, wie Sie Ergebnisse in der Geschäftsleitung berichten und wem Sie Erfolge zuschreiben. Wer das Team nennt, wird paradoxerweise selbst deutlicher als Führungskraft wahrgenommen.
Sichern müssen Sie diese Position ebenfalls. Melden Sie Ergebnisse regelmässig und in derselben Form, damit Ihr Umfeld Entwicklungen über die Zeit erkennen kann.
Ein einfacher Test für Ihre Sichtbarkeit als Führungskraft: Fragen Sie drei Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen, wofür Ihr Bereich steht. Decken sich die Antworten mit Ihren zwei Sätzen, ist Ihre Position angekommen.
Sichtbarkeit als Führungskraft folgt der Substanz, mit etwas Verzögerung. Executives, die zuerst an ihrer Sichtbarkeit arbeiten und dann an ihrer Führung, verlieren nach meiner Erfahrung schnell Vertrauen, oft genau bei den Menschen, die sie überzeugen wollten.
Einen Zweifel habe ich trotzdem. In grossen Matrixorganisationen bleibt gute Arbeit manchmal unsichtbar, weil zu viele Ebenen dazwischenliegen. Bescheidenheit hat dort eine Grenze: Wer seine Ergebnisse nie selbst berichtet, überlässt die Deutung anderen.
Mein Rat deshalb: Zuerst Beziehung und Ergebnisse, dann ein bewusster, regelmässiger Bericht darüber. In dieser Reihenfolge hält Sichtbarkeit als Führungskraft auch dann, wenn einmal ein Quartal schlecht läuft.
Über regelmässige, gleich aufgebaute Ergebnisberichte und über Ihr Team, das von seiner Arbeit erzählt. Suchen Sie bewusst Kontakt zu Bereichen, die auf Ihre Ergebnisse angewiesen sind. Dort entsteht Ihr Ruf am schnellsten. Nutzen Sie auch Übergaben: Wer ein Projekt sauber an einen anderen Bereich übergibt, bleibt dort in guter Erinnerung.
Im Umgang mit Menschen hilft Bescheidenheit fast immer. Beim Berichten von Ergebnissen kann sie schaden, weil Ihr Beitrag dann im Unternehmen keiner Person zugeordnet wird. Trennen Sie beides bewusst.
LinkedIn kann Ihre externe Wahrnehmung ergänzen, etwa mit Einblicken in Ihre Führungsarbeit. Den Ruf im eigenen Haus ersetzt es selten. Ihr Ansehen dort entsteht in Sitzungen, Gesprächen und Ergebnissen.
Rechnen Sie in Quartalen. Eine neue Positionierung braucht mehrere Berichtszyklen, bis andere Bereiche sie wiedergeben. Nach einem sichtbaren Erfolg geht es schneller, nach einem Fehlstart langsamer.
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Hinweis: Dieser Beitrag erschien erstmals am 26.11.2018 und wurde im Oktober 2026 überarbeitet und erweitert.
Cristian Hofmann ist Executive Coach in Zürich und Schaffhausen (MAS Coaching & Supervision BSO, Forbes-Autor). Er hat in über 20 Jahren mehr als 1'500 Führungskräfte begleitet: CEOs, Geschäftsleitungen und Leadership-Teams in der Schweiz, mit messbar vereinbarten Zielen und auf Wunsch Pay-for-Results. Mehr über Cristian Hofmann.