Durchsetzungsvermögen als Führungskraft entsteht aus Klarheit: Sie wissen, was Sie wollen, sagen es deutlich, leben es vor und zeigen, was passiert, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. Ein harter Ton ist dafür selten nötig.
Durchsetzungsvermögen ist die Fähigkeit, eigene Ziele und Entscheidungen auch gegen Widerstand umzusetzen. In der Führung zeigt es sich daran, ob andere Menschen einer Richtung folgen, weil sie diese verstehen und mittragen. Im Alltag erkennen Sie Durchsetzungsvermögen an einem einfachen Signal: Entscheidungen halten auch dann, wenn Sie nicht im Raum sind, und Ihr Team kann erklären, warum sie so gefallen sind.
Viele Führungskräfte fragen sich, ob sie tough genug sind. Meine Antwort darauf gilt seit Jahren: Wenn man das Gefühl hat, zu wenig tough zu sein, liegt das oft daran, dass nicht klar ist, was man eigentlich will.
Gute Führung wird daran sichtbar, wie gut es gelingt, andere Menschen zu inspirieren und Begeisterung auszulösen. Das funktioniert nur, wenn die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden stimmt.
Dazu kommt Orientierung. Führung ist fokussiert, absichtsvoll und zielorientiert, und sie gibt Sinn. Orientierung und Sinnhaftigkeit inspirieren, und wer inspiriert, setzt sich leichter durch. Ob Führung wirkt, entscheidet sich bei den Menschen, die geführt werden. Mehr dazu in Führung entsteht im Kopf der Geführten.
«Know what you want.» Als Leader müssen Sie zuerst wissen, wohin die Reise geht. Unsere Welt ist komplex, deshalb lohnt es sich, die Dinge zu strukturieren und Klarheit zu schaffen. Ein einfacher Test: Können Sie in zwei Sätzen sagen, was Ihr Bereich in zwölf Monaten erreicht haben soll? Gelingt das nicht, wird jede Durchsetzung zur Verhandlung über Einzelfälle.
Dieser Nordstern muss danach klar kommuniziert werden, idealerweise durch überzeugtes Führungsverhalten. Erst dann entsteht Wirkung auf andere.
Daran führt kein Weg vorbei: Handeln Sie selbst als Rollenmodell. Zeigen Sie, wie Sie als Führungskraft einen positiven Unterschied machen. Wirkung ist, worum es in der Führung geht.
Machen Sie Ihren Mitarbeitenden klar, was passiert, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. In diesem Moment sind Sie tough und nutzen die Macht, die mit Führung einhergeht. Konsequenzen wirken, wenn sie vorher bekannt sind und dann auch eintreten. Angekündigte Folgen, die ausbleiben, schwächen jede weitere Ansage.
Diese Durchschlagskraft gehört in die Rolle des Enablers. Sie dient der Entwicklung und hilft Mitarbeitenden, ihren bestmöglichen Leistungsbeitrag zu erbringen.
Erforschen Sie die gewünschte Zukunft gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden. So sehen alle klarer, und der Weg zu funktionierenden Lösungen wird kürzer. Gelingt es Ihnen, mit positiven Emotionen und Kreativität die Bereitschaft zum Wandel zu steigern, haben Sie erfolgreich motiviert.
Ich vergleiche das gern mit Bällen in der Luft: Führung, Macht und Sinn. Solange Sie alle oben halten, überzeugen Sie und können sich durchsetzen, je nach Absicht. Den Zusammenhang beschreibe ich ausführlicher in Macht. Führung. Sinn?.
Fällt die Macht weg, bleibt freundliche Unverbindlichkeit. Fehlt der Sinn, wird Durchsetzung zu Druck, der kurzfristig wirkt und langfristig Vertrauen kostet.
Wenn Führungskräfte mehr Durchsetzungsvermögen suchen, denken sie oft zuerst an ein härteres Auftreten. Im Coaching landen wir dann meist rasch bei der Frage, was sie eigentlich wollen, und dort liegt der grössere Hebel.
Meine Position: Wer zu wenig tough wirkt, weiss oft noch nicht genau, was er will. Sobald diese Klarheit da ist, ändern sich Sprache und Auftreten meist von selbst.
Den Gegenpol halte ich für teurer. Härte ohne Sinn erzeugt Gehorsam auf Zeit und Widerstand im Verborgenen. Wer sich vor allem über Konsequenzen durchsetzt, verliert die Leute, die er für den nächsten Wandel braucht.
Klären Sie zuerst, was Sie wollen, und formulieren Sie es so, dass andere es wiedergeben können. Leben Sie es vor und benennen Sie Konsequenzen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. Durchsetzungsvermögen wächst mit dieser Klarheit.
Selten. Es braucht Konsequenz, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. Ein harter Ton bringt kurzfristig Gehorsam und kostet auf Dauer Vertrauen.
Prüfen Sie zuerst, ob die Entscheidung und ihr Zweck klar kommuniziert sind. Häufig fehlt Orientierung. Fragen Sie konkret nach, was unklar ist oder was dagegen spricht. Danach machen Sie transparent, welche Konsequenzen folgen, und halten Wort.
Ja, vor allem bei der Frage, was Sie eigentlich wollen. Ein Coach stellt die Fragen, die im Tagesgeschäft liegen bleiben, und spiegelt, wie Sie auf andere wirken. Auf Wunsch arbeite ich mit messbar vereinbarten Zielen und Pay-for-Results.
Weiterführend auf hofmann.coach: Standing als Führungskraft: Wie Sie Ansehen und Wirkung aufbauen · Schwierige Gespräche führen: 15 Wege zum besten Ergebnis · Geteilte Führung: 15 taktvolle Wege, den Chef herauszufordern
Hinweis: Dieser Beitrag fasst zwei Beiträge vom 02.05.2019 und 17.05.2019 zusammen und wurde im Oktober 2026 überarbeitet und erweitert.
Cristian Hofmann ist Executive Coach in Zürich und Schaffhausen (MAS Coaching & Supervision BSO, Forbes-Autor). Er hat in über 20 Jahren mehr als 1'500 Führungskräfte begleitet: CEOs, Geschäftsleitungen und Leadership-Teams in der Schweiz, mit messbar vereinbarten Zielen und auf Wunsch Pay-for-Results. Mehr über Cristian Hofmann.