Remote Leadership gelingt, wenn Führungskräfte Vertrauen geben, offen kommunizieren, flexibel bleiben und sich für die Lage ihrer Leute interessieren. Die Technik ist dabei selten der Engpass, die Tools gibt es seit Jahren.
Remote Leadership ist die Führung von Teams, deren Mitglieder ganz oder teilweise an verschiedenen Orten arbeiten: Im Homeoffice, an anderen Standorten oder in anderen Ländern. Entscheidend ist die Anwenderkompetenz, also wie gut eine Führungskraft auf Distanz kommuniziert und führt.
Die erste Fassung dieses Beitrags entstand im April 2020, als Schweizer Konzerne und KMU vom plötzlichen Zwang überrumpelt wurden, alles von zu Hause aus zu erledigen. Was damals als Notlösung begann, ist für viele Teams zum normalen Arbeitsmodell geworden. Die Grundsätze gelten aus meiner Sicht unverändert, in hybriden Teams wie in Matrixorganisationen mit verteilten Standorten.
Vertrauen wird entgegengebracht und will verdient werden. Führungskräfte geben ihren Mitarbeitenden Verantwortung, nur so funktioniert virtuelle Zusammenarbeit. Umgekehrt zählt auch das Vertrauen in die Vorgesetzten: Erfolgreiche Teams vertrauen ihrer Führung. Mehr dazu in Empowering Leadership: Was es bedeutet und wie man es umsetzt.
Führen aus der Ferne ist ungewohnt, technische Probleme und Missverständnisse gehören dazu. Stehen Sie dazu und sprechen Sie Sorgen offen an. Transparenz erleichtert Kommunikation und Zusammenarbeit und schafft Vertrauen, immer mit Blick auf den Kontext.
Distanz verlangt schnelles Umdenken, von der Führung wie vom Team. Im Frühling 2020 waren die Netzwerke rasch überlastet, als die Schweiz ins Homeoffice wechselte. In solchen Momenten zeigen Selbstorganisation und Selbstverantwortung den Reifegrad eines Teams.
Fragen Sie aktiv, wie die Situation bei Ihren Leuten zu Hause aussieht. Wer Kinder betreut oder Angehörige pflegt, kann sich kaum hundertprozentig auf den Job konzentrieren. Hören Sie zu und zeigen Sie Interesse am Wohlbefinden. Das gilt auch ohne Krise: Ein Umzug, eine Krankheit in der Familie oder ein Konflikt im Team bleiben auf Distanz oft länger unbemerkt.
Wöchentliche Bilaterale lohnen sich auch virtuell. Zu zweit ist die Interaktion höher als in grossen Calls, Bedenken kommen eher auf den Tisch, und Befindlichkeiten lassen sich abholen. Halten Sie diese Termine auch in hektischen Wochen ein, gerade dann sind sie am wertvollsten.
Kurze tägliche Stand-up-Meetings, ein Instrument aus Scrum, geben dem Arbeitstag Struktur. Stehen kritische Entscheidungen an, die enge Abstimmung verlangen, bieten sie wertvolle Orientierung.
Alle Mitarbeitenden müssen die Tools beherrschen, quer durch die Hierarchie. Klären Sie von Anfang an, was über welchen Kanal läuft und wann welches Werkzeug passt. Ein Beispiel: Dringendes per Anruf, Abstimmungen im Team-Chat, Entscheidungen schriftlich im Projektordner.
Bitten Sie Ihr Team, sich selbst zu organisieren. Alle haben andere Stärken und arbeiten unter unterschiedlichen Umständen. Geben Sie die Mittel an die Hand und vertrauen Sie auf Selbstverantwortung. Fragen Sie nach, was jemand braucht, um selbstständig zu arbeiten, und liefern Sie es. Weitere Wege für hybride Konstellationen finden Sie in Virtuelle Teams führen: 16 Wege für Remote und Hybrid.
Ein Kunde hatte bei mir ein Präsenzseminar zu Remote Leadership gebucht, wegen seiner Matrixstruktur und der verteilten Standorte. Auf der Agenda standen die Kommunikationstechnik und vor allem die Herausforderungen für die Führungskräfte. Wegen der Massnahmen des Bundesrats im Frühling 2020 fiel das Seminar aus.
Der Konzern arbeitete danach genau in diesem Setting weiter, auf Distanz und in virtuellen Teams. Die Führungskräfte lernten im realen Alltag, was Führen aus der Ferne verlangt. Bei der späteren Weiterentwicklung solcher Workshops setze ich auf Fallbesprechungen und Führungsentwicklung auf der Basis von Reflexion und Feedback, an konkreten Situationen aus dem Alltag der Teilnehmenden.
Das Leben ist ein guter Lehrer, und doch hätte die Vorbereitung mehr Sicherheit gegeben. Meine Position: Führung auf Distanz lässt sich üben, mit Reflexion und Feedback an echten Fällen, am besten bevor der Ernstfall eintritt.
Skeptisch bin ich beim Extrem der Kontrolle aus der Ferne, mit Aktivitätsanzeigen und Dauer-Calls. Das zerstört genau das Vertrauen, auf dem Remote Leadership steht. Gutes Remote Leadership misst Ergebnisse und vereinbart sie klar, die Präsenz am Bildschirm sagt darüber wenig.
Vertrauen in beide Richtungen. Ohne Vertrauen in die Mitarbeitenden bleibt nur Kontrolle, und Kontrolle auf Distanz kostet Motivation. Fehlt das Vertrauen in die Führung, verliert das Team die Orientierung.
Ein kurzes tägliches Team-Update und ein wöchentliches Einzelgespräch pro Person sind ein guter Ausgangspunkt. Entscheidend ist die Verlässlichkeit des Rhythmus, die Frequenz passen Sie dem Team an.
Ja. Hybride Arbeit, verteilte Standorte und internationale Teams sind in vielen Unternehmen Alltag. Die vier Säulen gelten dort genauso.
An Signalen, die im Büro sofort auffallen würden und auf Distanz leicht untergehen: Nachrichten zu ungewöhnlichen Uhrzeiten, stillere Teilnahme in Calls, verschobene Termine. Fragen Sie im Einzelgespräch direkt nach und hören Sie auf die Zwischentöne.
Weiterführend auf hofmann.coach: 15 Wege, wie Unternehmen Remote-Mitarbeiter besser managen · Mit agile Leadership aus der Krise hinaus führen · Zusammenarbeit im Team: So wird aus Einzelnen ein Führungsteam
Hinweis: Dieser Beitrag erschien erstmals am 04.04.2020, kurz nach Beginn des Lockdowns, und wurde im Oktober 2026 überarbeitet und erweitert.
Cristian Hofmann ist Executive Coach in Zürich und Schaffhausen (MAS Coaching & Supervision BSO, Forbes-Autor). Er hat in über 20 Jahren mehr als 1'500 Führungskräfte begleitet: CEOs, Geschäftsleitungen und Leadership-Teams in der Schweiz, mit messbar vereinbarten Zielen und auf Wunsch Pay-for-Results. Mehr über Cristian Hofmann.